Über den Wolken
Michael Maschka · 2013
07
Über den Wolken
Michael Maschka · 2013
Material
Öl auf Hartfaser
Dimensions
35 × 25 cm
Das Bild zeigt eine nackte Frau, die scheinbar über einer Wolkenlandschaft schwebt. Ihr Körper ist frontal dargestellt, aufrecht, mit ruhigem, fast entrücktem Gesichtsausdruck. Auffällig ist, dass sie mehrere Arme besitzt – insgesamt sechs –, die symmetrisch zu beiden Seiten aus ihrem Körper wachsen. Einige Hände sind erhoben, andere liegen vor ihrem Oberkörper oder scheinen wie in einer meditativen oder betenden Geste zusammengelegt zu sein. Ihr Gesicht wirkt maskenhaft hell geschminkt, beinahe puppenartig oder theatralisch. Die Haare wehen nach oben, als gäbe es keinen festen Halt oder als befände sie sich in Schwerelosigkeit. Am Unterleib sind Nähte oder Risse sichtbar – der Körper wirkt teilweise wie zusammengesetzt oder künstlich gefertigt, fast wie eine Puppe oder Skulptur, nicht wie ein natürlicher, lebendiger Körper. Der Hintergrund besteht aus weichen, hellen Wolken in Pastelltönen. Das verleiht der Szene eine ruhige, beinahe spirituelle Atmosphäre. Die Vielarmigkeit erinnert an Darstellungen hinduistischer Gottheiten, bei denen mehrere Arme Macht, Vielseitigkeit oder göttliche Fähigkeiten symbolisieren. Hier mag dies auf die Vielschichtigkeit weiblicher Identität oder die vielen Rollen hindeuten, die eine Person gleichzeitig einnimmt. Die sichtbaren Nähte am Körper weisen darauf hin, dass Identität meistens „gemacht“ oder konstruiert ist – zusammengesetzt aus Erwartungen, Erfahrungen und gesellschaftlichen Zuschreibungen. Der puppenhafte Gesichtsausdruck verstärkt die Idee von Inszenierung oder Maskierung. Er deutet an, dass sich hinter der Maske noch eine andere Identität verbergen könnte. Die Wolkenkulisse steht für Transzendenz, Traum, Spiritualität oder das Unbewusste. Zusammen mit der ruhigen, fast meditativen Körperhaltung entsteht der Eindruck eines Spannungsfeldes zwischen Spiritualität und Künstlichkeit, zwischen göttlicher Erhöhung und menschlicher Fragmentierung. Insgesamt wirkt das Bild wie eine Auseinandersetzung mit Selbstbild, Körperlichkeit und der Frage, ob Identität etwas Natürliches oder etwas Konstruiertes ist.
